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Malteser Heidelberg

"Erst mal gucken, ob er noch schnauft"

Schmökertreff-Kinder hatten viel Spaß bei einer Erste-Hilfe-Stunde mit den Maltesern

01.06.2017
Foto: B.Kreutzer RNZ

Hirschberg-Leutershausen. „Der lebt noch“, winkt einer der Jungs im Schmökertreff beruhigend ab. Vor ihm auf der Decke liegt sein Kumpel und soll so tun, als wäre er ohnmächtig, kann sich dasKichern
aber dann doch nicht verkneifen. Um „Erste Hilfe“ geht es an diesem Nachmittag in der Katholischen Öffentlichen Bücherei. Zu Gast sind Bernhard Scheitler vom Malteser Hilfsdienst und Schulsanitäterin Liv Mathäus. „Wir bilden Euch jetzt mal aus, damit Ihr imNotfall helfen könnt“, sagt Scheitler, und los
geht’s. Ein klassischer Fall: Ein Mädchen kippelt im Klassenzimmer mit dem Stuhl, fällt um und landet mit dem Hinterkopf auf der Tischkante. Sie liegt am Boden und rührt sich nicht mehr. Oder ein Mann liegt im Park, und offenbar stimmt etwas nicht mit ihm. Was jetzt? Schläft er nur? Oder ist er vielleicht
ohnmächtig? „Jemand, der bewusstlos ist, reagiert nicht mehr“, erklärt Scheitler den Kindern. Er kann
nichts mehr sehen, hören, sagen oder fühlen. Und auch seine Schutzreflexe wie beispielsweise Husten, wenn man etwas verschluckt hat, funktionieren nicht mehr. Und wiemerktman, ob jemand bewusstlos
ist? „Kitzel ihn doch mal“, kommt ein praktischer Vorschlag von den Kindern. Könnte klappen, aber Scheitler hat noch eine bessere Idee. „Erst mal gucken, ob er noch schnauft.“ Im Ernstfall würde man die Person also erst einmal ansprechen und leicht an der Schulter rütteln. Kommt darauf keine
Reaktion, ist das der richtige Moment, um „Hilfe“ zu rufen. „Aber nicht weggehen, um Hilfe zu holen, da vergeht viel zu viel Zeit“, sagt Scheitler. Darum sollte man beim Spielen auch nicht so oft
„Hilfe“ rufen, sonst nehmen Erwachsene das vielleicht nicht mehr ernst. Bis jemand kommt, kann man schon einmal die Atmung kontrollieren. Schauen und fühlen, ob sich der Bauch oder der Brustkorb
bewegt oder das Ohr ganz nah an den Mund der Person halten. Ein lebensrettender Handgriff ist es, den Kopf nach hinten zu überstrecken. „Wenn man bewusstlos ist, fällt nämlich die Zunge nach hinten“, erklärt Scheitler. Und verstopft so den Zugang zur Luftröhre. Beugt man den Kopf nach hinten, ist wieder Platz, und der Bewusstlose bekommt wieder Luft. Sehr eindrucksvoll beweist dazu Scheitlers hölzerner Modellkopf, wie das mit der Zunge funktioniert. Aber damit ist man als Ersthelfer noch nicht fertig. „Jetzt müsst ihr die Person noch in die stabile Seitenlage bringen“, sagt Scheitler. „Die kenn’ ich“, ruft forsch einer der Jungs. Dies aber wohl doch eher vom Hörensagen, denn wie das praktisch geht, weiß er dann doch nicht so genau. Für den „idealen Fall“, dass die Person auf dem Rücken liegt, heißt das: Einen Arm im rechten Winkel nach oben legen, die Hand des gegenüberliegenden Arms unter dieWange der Seite legen,wo der Arm angewinkelt ist, dann das Bein der gegenüberliegenden Seite anwinkeln und die Person an Knie und Schultern fassen und zur Seite drehen. Wichtig ist es, auch hier auf den überstreckten Kopf zu achten. Der Mund muss dabei zum Boden zeigen, damit eventuell Erbrochenes herauslaufen kann und die Person nicht daran erstickt. Auch wie man einen Notruf richtig absetzt, lernten die Kinder. Unter der „112“ meldet sich die Leitstelle, die die nötigen Rettungskräfte und Einsatzwagen schickt. Damit schnell Hilfe kommt, solltemandie„FünfW’s“parathaben(am besten in dieser Reihenfolge): Wo ist etwas passiert? Was ist passiert? Wie viele Personen brauchen Hilfe? Um welche Art Verletzung oder Erkrankung geht es und, ganz wichtig, das Warten auf Rückfragen. Angst muss man keine haben, denn insbesonderewennKinderanrufen,bleibt die Rettungsleitstelle so lange am Telefon, bis der Rettungswagen da ist.

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